Zitate von Marcel Proust
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10.7.1871 (Paris) – 18.11.1922 (Paris)
Der Romanzyklus
À la recherche du temps perdu (Auf der Suche nach der verlorenen Zeit) ist vordergründig eine detaillierte Schilderung der dekadenten Pariser Bourgeoisie um die Jahrhundertwende. Die Seele dieses Romans ist jedoch philosophischer bzw. psychologischer Natur. Wie funktionieren menschliche Wahrnehmung und Erinnerung, durch welche Fäden sind Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwoben? sind die zentralen Fragen, die sich wie ein roter Faden durch das monumentale Werk ziehen.
Das Ergebnis dieser Recherche bringt Proust im letzten Band
Die wiedergefundene Zeit auf den Punkt. Dort heißt es, das Leben spinne zwischen allen Ereignissen neue Fäden, "so daß zwischen dem geringsten Punkt unserer Vergangenheit und allen anderen ein reiches Netz von Erinnerungen uns nur die Wahl der Verbindungswege läßt" (S. 4171). Damit konstatiert Proust nicht nur die Subjektivität der menschlichen Wahrnehmung, sondern stellt auch die Willensfreiheit des menschlichen Denkens und Handelns fundamental in Frage. Für die menschliche Identität wird so das geheimnisvolle Zusammenspiel von bewussten und unbewussten Inhalten konstitutiv (wie in der Tiefenpsychologie).
Proust wurde in seinem Denken und Wahrnehmen stark beeinflusst von dem französischen Philosophen Henri Bergson (Lebensphilosophie)und dessen Theorie von der
mémoire involontaire (unwillkürliche Erinnerung), nach der Lebensprozesse nur durch introspektive Intuition adäquat widergespiegelt werden können und Raum und Zeit lediglich Abstraktionen seien.
Mit seinem Hauptwerk übte Proust seinerseits großen Einfluss auf die Literatur des 20. Jahrhunderts aus. Zu den Autoren, die er inspirierte, gehören unter anderen Robert Musil, James Joyce, Samuel Becket, Walter Benjamin und Gilles Deleuze.
Werke auf dieser Seite:
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Es gibt vielleicht keinen Menschen, und wäre er noch so tugendhaft, den die Umstände nicht eines Tages dazu bringen können, in nächster Nachbarschaft des Lasters zu leben, das er mehr als alle verdammt.
Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bde. 1-3
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Es scheint, daß im Gesellschaftsleben - ein schwacher Widerschein dessen, was sich in der Liebe zuträgt - die beste Art, gesucht zu werden, in der Ablehnung liegt.
Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bde. 1-3
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Fast alle Träume antworten auf Fragen, die wir uns stellen, mit einer verwickelten Inszenierung, bei der sich die Antwort auf Personen verteilt, die das Licht des folgenden Morgens nicht mehr erblicken.
Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bde. 1-3
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Für die Börse ist [...] jede Stadt, die belagert wird, auch schon eingenommen.
Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bde. 1-3
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Gerade in dem Augenblick vielmehr, in dem man nichts mehr zu verlieren hat, will man ein Wagnis nicht mehr auf sich nehmen, zu dem man in der Fülle des Lebens sich leicht entschlossen hätte.
Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bde. 1-3
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Gewöhnlich leben wir mit einem auf das Minimum reduzierten Teil unseres Wesens, die meisten unserer Fähigkeiten wachen gar nicht auf, weil sie sich in dem Bewußtsein zur Ruhe begeben, daß die Gewohnheit schon weiß, was sie zu tun hat, und ihrer nicht bedarf.
Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bde. 1-3
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Ich gelangte zu der Einsicht, daß Sterben nicht etwa etwas Neues, sondern daß ich im Gegenteil von meiner Kindheit an schon viele Male gestorben sei.
Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bde. 1-3
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Ich stellte nur fest, daß in der Politik das Wiederholen dessen, was alle Menschen denken, offenbar kein Zeichen von Mittelmäßigkeit, sondern von Überlegenheit ist.
Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bde. 1-3
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Ideen sind Ersatz für Leiden; in dem Augenblick, da diese sich in Ideen verwandeln, verlieren sie einen Teil ihrer schädlichen Wirkung auf unser Herz.
Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bde. 1-3
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Im übrigen gilt für alle Ereignisse, die im Leben und in seinen widersprüchlichen Situationen sich auf die Liebe beziehen, daß man sie am besten gar nicht zu verstehen versucht, da sie in allem, was sie an Unerbittlichkeit und Unverhofftem an sich haben, eher magischen als rationalen Gesetzen zu unterstehen scheinen.
Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bde. 1-3
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